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Bilder von Alice Kaufmann im Büro von Bürgermeister Thomas Köppl

Edwin Zaft vom Offenen Atelier in Quickborn hat erneut die Bilder im Büro von Bürgermeister Thomas Köppl ausgetauscht. Jetzt sind dort 3 Werke von Alice Kaufmann zu sehen.

Die Kunsthistorikerin Dr. Friederike Weimar hat zu den Werken von Alice Kaufmann folgende Einführung verfasst:

„Roter Himmel“, „Dämmerung“, „Sturm“, Wolkenspiel“ – so benennt Alice Kaufmann ihre Bilder. Diese Titel bezeichnen nicht nur die Motive, sondern auch die Inhalte der Gemälde. Es geht um das Licht der untergehenden Sonne und um das Farbenspiel im morgendlichen Himmel. Es sind das dunkle Violett der Gewitterwolken, das satte Grün einer Wiese, die zarten Grau- und Blautöne sommerlicher Wolken, das matte Ocker der Landschaft im Spätsommer und die kräftigen Farben eines tropischen Urwaldes, die die Malerin faszinieren und die sie in ihre Kunst übersetzt.

Hin und wieder lässt sich Alice Kaufmann von Fotos aus Bildbänden anregen. Meist aber schöpft sie ihre Motive aus vagen Erinnerungen an Gesehenes, aus optischen und atmosphärischen Eindrücken, aus konkreten Erlebnissen: im Garten von Freunden, unterwegs im Vorbeifahren, auf einer Reise nach Ostpreußen und am Himmel vor ihrem Atelier. Soll aus dem beobachteten Licht- und Farbenspiel ein Bild entstehen, so prägt sie sich die flüchtige Stimmung des Augenblicks ganz besonders ein, macht einen gedanklichen Schnappschuss vom Motiv.

Oft erst Wochen später entsteht aus dem erinnerten Bild ein Gemälde. Die Details sind dann schon in der Rückschau verblasst: Die einzelne Blüte, der vorbeifliegende Vogel, die Form eines Zweiges - diese Einzelheiten treten zurück. Licht und Farben, das Mit- und Gegeneinander von dunklen und hellen Flächen, die Stimmung des Moments bilden nun den Ausgangspunkt ihrer Malerei. So vermeidet Alice Kaufmann alles Narrative. Ihre Bilder erzählen keine Geschichten. Nicht das Gegenständliche ist ihr Thema, sondern die Stimmung, die die Farbe vermittelt.

Ganz vom Gegenständlichen löst sie sich nicht, auch wenn die konkreten Motive manchmal nur noch erahnbar sind. Die Basis ihrer Bilder sind visuelle Eindrücke, nicht abstrakte Ideen. Und diese visuellen Eindrücke bleiben sichtbar. Doch mischen sich in ihrer Erinnerung Gesehenes und Gefühltes, sodass eine Entfernung vom Gegenstand stattfindet und damit zugleich eine Konzentration auf die Stimmung des Gesehenen. Erst wenn das Gesehene, das Erlebte, das Erfühlte sich so zu einer Vorstellung gemischt haben, ist das Motiv „reif“ für die Übersetzung in Malerei. Dann drängt es die Künstlerin, das Bild auf die Leinwand zu bringen.

Die Farbe bestimmt den Arbeitsprozess. Schwebt ihr eine Stimmung in Grün vor, so setzt sie über die eigentliche Grundierung eine zweite in verschiedenen Rottönen, der Komplementärfarbe von Grün. Über diese nun in rötlichen Farben leuchtende Leinwand, malt sie die Grüntöne. Immer wieder lässt sie den roten Untergrund unter dem Grün hervorschauen. So wechseln pastosere mit wenig Farbe führenden Pinselstrichen. Oft, aber nicht immer, ist der sichtbare Pinselstrich bildwirksam in die Komposition einbezogen. Mit hellen, manchmal auch kräftigen Farben setzt sie Akzente auf das Bild. Durch die Kombination aus farbigem Untergrund und den darüber liegenden Malschichten erzielt Alice Kaufmann ein Leuchten der Farben selbst. Ihre Landschaften wirken nicht beleuchtet, sondern sie leuchten selbst - die Farben scheinen zu leben.

Um sich nicht vom Gegenstand „fesseln“ zu lassen, sondern sich vollständig auf die Farbe und auf die Komposition konzentrieren zu können, dreht die Künstlerin beim Malen ihre Leinwände mehrfach auf alle Seiten. Sie stellt sie auf den Kopf, legt sie auf die rechte Seite, auf die linke Seite und arbeitet auf diese Weise so lange an ihnen, bis der Bildaufbau - nun ganz unabhängig vom gegenständlichen Motiv - von allen Seiten her gesehen stimmig ist. So ermöglichen einige ihrer Bilder schließlich sogar eine Lesart aus verschiedenen Ansichten.

Einige ältere Gemälde (etwa 2004 bis 2006), vermitteln mit ihrer matten Farbpalette und flächigen Gestaltung eine eher kontemplative Stimmung. Dennoch erscheinen die Bilder meist nicht statisch. Die Farben, die Pinselführung und die Motive üben einen Sog in die Tiefe aus. Dieses Moment der Bewegung vermittelt, ebenso wie die beabsichtigte Unschärfe, die zeitliche Flüchtigkeit der gemalten Stimmungen. Die hellen, starkfarbigen Akzente, die die Malerin in ihren jüngeren Arbeiten häufig einsetzt, verstärken die räumliche Tiefe und Dynamisierung der Bildwirkung. Hier zeigt sich eine zunehmende Vitalisierung, eine Energie, die sich Bahn bricht und die neugierig auf die weitere Entwicklung des Œuvres macht.“

Kurzbiografie Alice Kaufmann

  • Ausbildung an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg, Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, Studium der Kunstgeschichte an der Uni Hamburg, Studienaufenthalt in Paris
  • 1974-2003 Freiberufliche Arbeit als Illustratorin und Grafik-Designerin
  • 2004-2011 Jährliche Teilnahme an der Sommerakademie „Pentiment“ in Hamburg
  • 2005-2014 Gruppen-und Einzelausstellungen


 
PM 131-1/2017
Quickborn, 14.07.2017