Verfahren zur Ausweisung des geplanten Naturschutzgebietes „Himmelmoor“ - Präsentation zur Bürgerinformationsveranstaltung vom 29.09.2021


Das Himmelmoor soll in Absprache mit dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen werden! Es ist Teilgebiet des europäischen Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebietes „Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen“. Im Managementplan ist für das FFH-Teilgebiet inklusive der ehemaligen industriellen Abtorfungsfläche eine Ausweisung als Naturschutzgebiet empfohlen worden, sobald der Torfabbau beendet ist.

Mit der Ausweisung sollen neben den Bereichen mit überwiegend gesetzlich geschützten Biotopen und FFH-Lebensraumtypen auch die aus der Abtorfung entlassenen Flächen einen langfristigen und umfänglichen Schutz vor möglichen Beeinträchtigungen und für das Moor unverträglichen Nutzungen erhalten. Das geplante Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 576 ha. Das Verfahren zur Ausweisung als Naturschutzgebiet wird durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) für das MELUND durchgeführt.

Nun soll das Rechtsetzungsverfahren fortgesetzt werden und es steht die öffentliche Auslegung an, bei der sich Eigentümer, FlächennutzerInnen und alle anderen Interessierten zum neuen Verordnungsentwurf äußern können.

Zur Vorbereitung dieses Verfahrensschrittes lud das LLUR alle FlächeneigentümerInnen, Anlieger, Landwirte, Jäger, NaturgenießerInnen und sonstige Interessierte zu einer Informationsveranstaltung ein. Vorgestellt wurden das Himmelmoor, der Ablauf des Ausweisungsverfahrens im Allgemeinen und der Entwurf der Naturschutzgebietsverordnung mit den vorgesehenen Ver- und Geboten im Konkreten.

Die Präsentation zur Informationsveranstaltung steht Ihnen auf dieser Seite unter Dateianhänge zur Verfügung.



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Hintergrundinformation

Das Himmelmoor ist ein über glaziofluviatilen Ablagerungen der Weichselkaltzeit aufgewachsenes, atlantisch geprägtes Verlandungs- und in Teilen auch Versumpfungshochmoor von ursprünglich ca. 700 ha Flächenausdehnung. Davon sind nach Torfabbau und Umwandlung weiter Teile in landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzung noch etwa 200 ha als Moorlebensraum erhalten. Der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende industrielle Torfabbau wurde in 2018 abgeschlossen.

Heute hat das Gebiet auch eine große Bedeutung für die Naherholung und wird zum Wandern, Radfahren, Hunde ausführen, Reiten und zur Naturbeobachtung genutzt. Die Bahn, die zum Abtransport des Torfes genutzt wurde, dient jetzt dazu, interessierten BesucherInnen einen Eindruck vom Moor zu verschaffen.

Lebensraum für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten

Von besonderer Bedeutung für das Naturschutzgebiet ist der Erhalt

  1. der Restflächen des Hochmoores und der Moorwälder
  2. der Niedermoorflächen, Nasswiesen und des artenreichen Grünlandes
  3. der ehemaligen Abtorfungsfläche mit dem Ziel der ungestörten Entwicklung von Moorlebensräumen
  4. der Stillgewässer als Lebens- und Reproduktionsraum für Amphibien und Libellen.

Diese Lebensraumkomplexe bieten spezielle Bedingungen, auf die eine Vielzahl seltener und teilweise europaweit gefährdeter Tiere und Pflanzen angewiesen sind. Nachgewiesen im Gebiet sind z.B. Moorfrosch, Schlingnatter, Kreuzotter, Bekassine, Kiebitz, Neuntöter, Kranich, Hochmoormosaikjungfer und Kleine Moorjungfer.

Die Restflächen der Hochmoore sowie Übergangs- und Schwingrasenmoore und Niedermoorflächen sind Lebensraum für echte Spezialisten, die besonders gut mit Nährstoffarmut, extrem sauren Böden und hohen Wasserständen zurechtkommen. Zu einer typischen Moorvegetation gehören z.B. rundblättriger Sonnentau, Moosbeere, Wollgras und verschiedene Torfmoose.

Die Nasswiesen und das artenreiche Feuchtgrünland sind durch historische Nutzungsformen entstanden und gekennzeichnet durch krautige Pflanzen, Gräser, Seggen und Binsen. Diese Offenlandstrukturen bieten u.a. Lebensraum für Wiesenvögel und Amphibien. Gleichzeitig dienen sie dem Moorkernbereich als Schutzzone vor Nähr- und Schadstoffeinträgen.

Naturnahe Laubwälder, Feucht- und Bruchwälder in den Randbereichen des Gebietes bilden zusammen mit den Mooren und Feuchtwiesen einen hochwertigen Biotopkomplex, der z.B. von Moorfrosch, Ringelnatter oder Kranich als Lebensraum genutzt wird. Gleichzeitig bieten auch die Waldflächen den Mooren eine Schutzzone vor Einträgen.


 
Information der Stadt Quickborn vom 30.09.2021


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