EDEKA zieht sich aus der Quickborner Innenstadt zurück: Bürgermeister kritisiert Kommunikationsverhalten und sieht zahlreiche vertane Chancen

Der EDEKA-Markt am Forumsplatz wird zum 31. März 2027 schließen. Die Entscheidung der EDEKA-Verwaltung, den bestehenden Mietvertrag nicht zu verlängern, wurde den Betreibern des Marktes am 27. Juli mitgeteilt, die Quickborner Verwaltung wurde darüber erst am Mittwoch, 5. August, in Kenntnis gesetzt.

Die Entscheidung der EDEKA-Verwaltung kommt völlig überraschend und sowohl Bürgermeister Beckmann wie auch der Gebäudeeigentümer bedauern die Entwicklung sehr. Noch kurz vor Bekanntgabe der Schließungsentscheidung lag ein Angebot zur Verlängerung des Mietvertrages vor.

Hintergrund der Entscheidung EDEKAs für die Schließung des Standortes in der Innenstadt sollen unter anderem aufgelaufene Investitionsbedarfe sein. Für eine umfassende Modernisierung, notwendige Instandsetzungen sowie Reparaturen wären laut EDEKA Investitionen in Millionenhöhe erforderlich gewesen.

Dabei entwickelt sich die Quickborner Innenstadt kontinuierlich - neue Geschäfte eröffnen, bestehende Angebote werden ergänzt und mit mehreren großen Wohnungsbauprojekten kommt zusätzliche Kaufkraft ins Zentrum. Dass die Stadt erhebliches Potenzial für den Standort sieht, hängt auch mit der Entwicklung seines Umfeldes zusammen. Mit dem Dritten Ort „TO HUUS“, einer Mischung aus Wohnquartier, Medienausleihe und Veranstaltungszentrum, entstehen 2028/2029 knapp 100 Wohnungen in unmittelbarer Nähe. Bereits im Bau befindet sich das Wohnprojekt in der Kampstraße mit 62 Wohnungen, weitere Bauvorhaben wie an der Bahnhofstraße 12 kommen hinzu. Damit werden künftig zahlreiche zusätzliche Kundinnen und Kunden in direkter Innenstadtnähe leben.

Für Bürgermeister Thomas Beckmann ist die unternehmerische Entscheidung als solche zu respektieren. Unverständnis löst jedoch die Kommunikation der Verwaltung von EDEKA Nordwest aus. Zwar hat es regelmäßig Gespräche zwischen der Verwaltung und dem Gebietsbetreuer der EDEKA Nordwest gegeben, allerdings wurde eine mögliche Schließung nie thematisiert und die Stadt wurde am 5. August nachmittags vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Unternehmen teilte lediglich mit, dass an der Schließung nicht mehr zu rütteln sei.

Beckmann sagt: „Natürlich ist es das Recht jedes Unternehmens, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Doch dadurch, dass die Entscheidung ohne ein vorheriges Gespräch mit der Stadt gefallen ist, wurde uns jede Möglichkeit genommen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“ Die Stadt hätte gern frühzeitig geholfen und nach Möglichkeiten gesucht, den Markt zu erhalten oder zumindest rechtzeitig eine tragfähige Alternative für den Standort zu entwickeln. „Man hätte nur mit uns reden müssen“, sagt Beckmann.

EDEKA-Entscheidung wirft Fragen auf

Für die Stadt Quickborn ist der Rückzug gerade vor dem Hintergrund der erfolgreichen Innenstadtentwicklung nur schwer nachvollziehbar. Zumal die Expansionsleitung der EDEKA Nordwest den Standort selbst als hochattraktiv, einwohnerstark und kaufkräftig bezeichnet hat.

„Gerade deshalb bleiben für mich viele Fragen offen“, sagt Bürgermeister Beckmann. „Wenn ein Standort gleichzeitig als attraktiv, kaufkräftig und einwohnerstark bewertet wird, wäre es doch naheliegend gewesen, gemeinsam nach Perspektiven zu suchen. Stattdessen hatte ich im Gespräch am 5. August den Eindruck, dass keinerlei Interesse bestand, überhaupt über Möglichkeiten zu sprechen. Anstelle eines Dialogs über die Zukunft des Standortes gab es vor allem vorgefertigte Aussagen.“

Nach Auffassung der Stadt wären verschiedene Ansätze zumindest eine Prüfung wert gewesen – etwa eine Vergrößerung der Verkaufsfläche, Optimierungen der Parkplatzsituation oder andere Maßnahmen zur Stärkung des Standortes. Ebenso hätte frühzeitig an einer Nachfolgelösung gearbeitet werden können.

„Unsere Innenstadt steht nicht vor einem Rückgang, sondern mitten in einer positiven Entwicklung“, erklärt Bürgermeister Beckmann. „Neue Geschäfte kommen hinzu, neuer Wohnraum entsteht und immer mehr Menschen werden direkt im Zentrum leben. Deshalb ist es für mich umso unverständlicher, dass EDEKA diese Entwicklung offenbar nicht abwarten möchte. Diese Chance wurde leider vertan. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie mit den Menschen vor Ort umgegangen wird“, sagt Beckmann.

Bürgermeister Beckmann würdigt Engagement der Betreiberfamilie

Für die Betreiberfamilie ist das Aus besonders hart. Erst im September 2025 hatte sie den Markt übernommen, für den sie ihren bisherigen Standort auf Sylt aufgegeben, ihren Lebensmittelpunkt nach Quickborn verlegt und hier ein Haus erworben hatten.

„Nach der Übernahme des Marktes haben die Betreiber viel Zeit, Herzblut und persönlichen Einsatz investiert und das Vertrauen der Kundinnen und Kunden gewonnen. Dabei haben sie hervorragende Arbeit geleistet. Umso bedauerlicher ist es, dass ihnen nach einer herausfordernden Übergangsphase offenbar nicht die notwendige Zeit eingeräumt wird, den Markt langfristig weiterzuentwickeln. Die ist davon auszugehen, dass die heute notwendigen Investitionen im Laufe etlicher Jahre entstanden sind und vor Antritt der Betreiberfamilie nicht beseitigt worden. Dafür trägt sie keine Verantwortung.“

Nun steht die Familie ebenso wie rund 20 Beschäftigte vor einem unvermuteten Neuanfang. Um den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst schnell eine neue Perspektive zu eröffnen, hat Bürgermeister Thomas Beckmann bereits Gespräche mit Andreas und Jendrik Lätsch aufgenommen, welche einen EDEKA-Markt in Ellerau sowie künftig auch in Quickborn-Heide betreiben werden. Auf die Frage von Bürgermeister Beckmann, Beschäftigte aus dem Markt am Forumsplatz zu übernehmen, signalisierten beide gegenüber der Stadt die Bereitschaft, entsprechende Möglichkeiten zu prüfen.

Stadt und Eigentümer arbeiten an Nachfolgelösung

Ungeachtet der Enttäuschung richtet die Stadt Quickborn den Blick nach vorn. Stadt und Gebäudeeigentümer arbeiten bereits gemeinsam an einer Nachfolgelösung für die Flächen am Forumsplatz.

Anlass zur Zuversicht gibt, dass andere Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels die Perspektiven des Standortes sehr positiv einschätzen. Die Stadt wird deshalb alle Möglichkeiten nutzen, entsprechende Gespräche zu unterstützen.

„Die Entscheidung von EDEKA ist enttäuschend, aber sie ändert nichts an den Perspektiven unserer Innenstadt“, betont Bürgermeister Beckmann. „Aufgrund des Wachstums passiert in unserem Zentrum gerade sehr viel - und diese Entwicklung wird weitergehen. Wenn ein Unternehmen diese Chancen nicht nutzen möchte, müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass ein anderes sie bekommt. Unser Ziel ist klar: Der Forumsplatz soll ein lebendiger Bestandteil unserer Innenstadt bleiben und die Nahversorgung langfristig gesichert werden.“

Quickborn, 06.08.2026


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