Wie kann die Wärmeversorgung in Quickborn künftig aussehen und was bedeutet die kommunale Wärmeplanung ganz konkret für das eigene Zuhause? Rund 75 Bürgerinnen und Bürger nutzten am Mittwochabend, 9. September, die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand zu informieren, Fragen zu stellen und ihre eigenen Einschätzungen einzubringen.
Auf Einladung der Stadt Quickborn begrüßte Bürgermeister Thomas Beckmann gemeinsam mit Fachdienstleiterin Anna Geisler und Laura-Marie Wollmer vom Fachdienst Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung die Gäste und führten durch einen Abend, der bewusst nicht als reine Vortragsveranstaltung angelegt war. Informationen, digitale Beteiligung und der persönliche Austausch standen gleichermaßen im Mittelpunkt.
„Ich freue mich sehr, dass so viele Quickbornerinnen und Quickborner gekommen sind“, sagte Thomas Beckmann zur Begrüßung. Das zeige, so der Bürgermeister, wie groß das Interesse an der Wärmewende sei – schließlich gehe es um ein Thema, das ganz konkrete Auswirkungen auf jeden Einzelnen haben könne. Umso wichtiger sei es, frühzeitig zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Nico Jaeschke, Senior Engineer bei HIC Consulting, stellte den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung vor. Dabei machte er deutlich: Die gesetzlich vorgeschriebene Planung ist vor allem ein strategisches Instrument und eine Orientierungshilfe. Sie betrachtet nicht einzelne Gebäude, sondern entwickelt eine Gesamtstrategie für Quickborn. Für Hauseigentümer entsteht daraus aktuell keine Verpflichtung, eine bestimmte Heiztechnik einzubauen.
Grundlage dafür ist eine detaillierte Bestandsanalyse. HIC Consulting hat dazu einen digitalen Zwilling Quickborns erstellt, der die Gebäude im Stadtgebiet und ihren jeweiligen Ist-Zustand abbildet. Auf dieser Basis lässt sich untersuchen, welche Formen der Wärmeversorgung in welchen Bereichen grundsätzlich sinnvoll sein könnten und beispielsweise auch, wo ein Wärmenetz infrage kommt.
Wie groß der Informations- und Planungsbedarf ist, zeigte die digitale Beteiligung während des Vortrags. Über einen QR-Code konnten die Besucherinnen und Besucher anonym an mehreren Abfragen teilnehmen. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden gaben an, Eigentümer einer Immobilie zu sein. Bemerkenswert: 40 Prozent streben einen Heizungswechsel bereits so schnell wie möglich an, zehn Prozent bis 2030 und weitere 37 Prozent bis 2035. Die Ergebnisse bilden jeweils eine Momentaufnahme der an den einzelnen Abfragen beteiligten Besucher ab.
Bei der Frage nach einer künftig angestrebten Heizlösung lag die Wärmepumpe mit 70 Prozent deutlich vorn. 17 Prozent nannten ein Wärmenetz. Jaeschke erläuterte, dass Wärmenetze vor allem dort sinnvoll sein können, wo viele Gebäude auf engem Raum versorgt werden können – insbesondere in dichter besiedelten Bereichen mit kurzen Leitungswegen.
Bei der Entscheidung über die künftige Wärmeversorgung stand für die Befragten die Zukunftssicherheit an erster Stelle, dicht gefolgt von Wirtschaftlichkeit und Kosten. Danach folgten Unabhängigkeit und Umweltschutz. Der Komfort spielte eine deutlich geringere Rolle.
Warum frühzeitige Orientierung sinnvoll ist, erläuterte Jaeschke auch mit Blick auf die langfristige Entwicklung fossiler Energieträger. Steigende CO₂-Kosten, mögliche Preisentwicklungen bei Gas und künftig höhere Netzentgelte können die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Die Wärmeplanung soll deshalb helfen, Investitionsentscheidungen besser einzuschätzen und langfristig planen zu können.
Einen zweiten Blick auf das Thema brachte Ralf Lüth von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ein. Der Energieberater und Bezirksschornsteinfeger gab praktische Hinweise für Hauseigentümer – von Fördermöglichkeiten über die Prüfung von Angeboten bis zur unabhängigen Energieberatung. Sein Rat: Investitionen gut vorbereiten und bestehende Beratungsangebote nutzen, bevor Entscheidungen getroffen werden.
Mit dem Ende der Vorträge war der Abend noch lange nicht vorbei. An zwei Informationsständen ging der Austausch intensiv weiter. Lüth beantwortete individuelle Fragen zur energetischen Sanierung und zu Heizsystemen. Auch die Stadtwerke Quickborn, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, waren mit Geschäftsführer Dr. Panagiotis Memetzidis und zwei Mitarbeitern vertreten. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, ihre persönliche Situation anzusprechen und sich unmittelbar mit den Fachleuten auszutauschen.
Damit wurde die Veranstaltung zu mehr als einer Information über ein gesetzlich vorgeschriebenes Planungsverfahren: Sie bot konkrete Orientierung für Entscheidungen, die viele Quickbornerinnen und Quickborner in den kommenden Jahren ganz persönlich betreffen werden.
Die nächsten Schritte im Prozess werden nun folgen. Anfang 2027 wird der Kommunale Wärmeplan fertiggestellt und liegt dann noch einmal vier Wochen aus. Bürgerinnen und Bürger haben dann die Möglichkeit Stellung zu konkreten Maßnahmenvorschlägen zu beziehen. Der Beschluss des Wärmeplans wird im Anschluss erfolgen.
Bildinformation: Laura-Marie Wollmer (von links), Mitarbeiterin im Fachdienst Stadtentwicklung, Fachdienstleiterin Anna Geisler sowie Nico Jaeschke, Senior Engineer bei HIC Consulting, vor der Präsentation zur Kommunalen Wärmeplanung
Pressemitteilung vom 16.09.2026