Wenn Feuerwehrleute an ihre Grenzen gehen: Die „70er“ geben Vollgas

Schlauchpaket schultern, Treppen hinauf, Gewichte bewegen, einen gefüllten Schlauch ziehen und schließlich einen rund 80 Kilogramm schweren Dummy ins Ziel bringen: Bei einer Firefighter Challenge zählt jede Sekunde. Für Steve Kohlscheen und Jan Kucek von der Freiwilligen Feuerwehr Quickborn geht es dabei um mehr als Bestzeiten. Es geht um körperliche Fitness, persönliche Grenzen und eine Gemeinschaft, die weit über den Feuerwehrdienst hinausreicht.

Mit dem Namen „Die 70er“ traten die beiden im September bei der 20. Berliner Firefighter Challenge mit insgesamt rund 240 Teams aus 13 Nationen an. In zwei Minuten und 23,96 Sekunden absolvierten sie den anspruchsvollen Parcours und belegten Platz 37 in der Männer-Tandem-Wertung. Ihr Teamname ist eine Anspielung auf „Florian Pinneberg 70“, die Funkkennung der Feuerwehr Quickborn.

Sport, der für den Ernstfall fit macht

Für Kohlscheen, der seit Oktober 2018 zur Feuerwehr Quickborn gehört und beruflich bei der Flughafenfeuerwehr Hamburg arbeitet, begann die Begeisterung für Feuerwehrfitness 2022 bei seiner ersten Firefighter Challenge 2022 in Hannover. Der Wettkampf weckte seinen Ehrgeiz und die Leidenschaft für den Feuerwehr-Fitnesssport. Ein Jahr später folgten Stairruns in Berlin, Köln und Hamburg.

Bald begeisterte er auch seinen Kameraden Jan Kucek für die Wettkämpfe. Der Landschaftsgärtner war bereits in seiner Heimat im Alten Land bei der Feuerwehr aktiv und fand nach seinem Wechsel nach Quickborn schnell Anschluss. 2024 nahmen beide erstmals am Kölnturm Treppenlauf teil, damals allerdings noch mit jeweils anderen Teampartnern unter Atemschutz bewältigten sie 40 Etagen und 732 Stufen.

Seit 2025 treten Kohlscheen und Kucek als festes Team an und trainieren regelmäßig gemeinsam. Denn die körperlichen Anforderungen im Feuerwehrdienst sind hoch: Schwere Schutzkleidung, Atemschutzeinsätze und die Rettung von Menschen verlangen Kraft, Ausdauer und mentale Belastbarkeit. Feuerwehrleute unter Atemschutz müssen ihre körperliche Leistungsfähigkeit deshalb auch bei einem jährlichen Belastungstest unter Beweis stellen.

Bei den Wettbewerben erleben die beiden vor allem gegenseitige Unterstützung. Auch Feuerwehrleute, die sich vorher nicht kannten, feuern einander an. Der Respekt sei groß, erzählt Kohlscheen. Entscheidend sei weniger die Platzierung auf der Ergebnisliste als die eigene Entwicklung.

Wie viel ihnen dieser Zusammenhalt bedeutet, zeigte sich auch bei einer anderen sportlichen Herausforderung in diesem Jahr. Ihren nächtlichen Megamarsch in Hamburg widmeten Kohlscheen und Kucek ihrem verstorbenen Feuerwehrkameraden Daniel Dähn. 50 Kilometer legten sie innerhalb von zwölf Stunden zurück – in persönlicher Schutzausrüstung und mit zusätzlichem Gewicht. Eine Helgoland-Flagge begleitete sie als Erinnerung an ihren ehemaligen stellvertretenden Wehrführer, der auf der Insel geboren war.

„Er für uns und wir für ihn“, sagt Kohlscheen, für den die Geste eine besonders persönliche Bedeutung hatte: Dähn gehörte 2018 zu den ersten Feuerwehrleuten, die ihn in Quickborn willkommen hießen. Vor allem seine Offenheit und Hilfsbereitschaft sind beiden bis heute in Erinnerung geblieben.

Genau dieses Gemeinschaftsgefühl möchten „Die 70er“ weitergeben. Inzwischen begeistern sie auch andere Quickborner Feuerwehrangehörige für gemeinsames Lauf- und Fitnesstraining. Dabei muss niemand gleich an Wettkämpfen teilnehmen. Im Vordergrund stehen Bewegung, Fitness und der Spaß am gemeinsamen Training.

Und was raten Kohlscheen und Kucek Menschen, die selbst über einen Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr nachdenken? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Einfach machen.“




 
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Pressemitteilung vom 29.10.2026